Termine – Übersicht für die Saison 2011/12
Hexenschuss
Charleys Tante
Nathan der Weise
Faust 1
Faust 2
Richard! Mein Leben!
studio mobile
Mozart und Salieri
Walkürenritt
Die amerikanische Päpstin
Arbeitsstätten |
Charleys Tante – Hans und Charley genießen ihr Studentenleben in vollen Zügen. Beide aus adligem Hause, lassen sie es sich gut gehen – sogar unsterblich verliebt sind sie. Ihren Angebeteten diese Liebe zu gestehen, fehlt jede Gelegenheit, dabei drängt die Zeit! Schon am nächsten Tag sollen Anni und Kathi über die Ferien an die Ostsee verfrachtet werden, zusammen mit Annis strengem Onkel Stephan von Spettingen der zu allem Überfluss auch noch Kathis Vormund ist.
Als Dolores d'Alba da Silva aus Argentinien (wo die Affen wohnen), Milliardärswittwe und Tante von Charley, ihren Besuch ankündigt, scheint eine Lösung gefunden, um die Mädchen herzulocken. Ein standesgemäßer Empfang für die Tante, die Charley selbst noch nie zu Gesicht bekommen hat muss für ein romantisches Treffen herhalten.
Gerade, als sich alles so gut ineinander zu fügen scheint, kommt es doch ganz anders als geplant. Der hohe Besuch sagt kurzfristig ab. Um dennoch eine Anstandsdame vorweisen zu können, muss kurzerhand Studienfreund Babs seine angehenden schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Er schlüpft in die Rolle von Charleys Tante ...
Charleys Tante –die Mutter aller Travestiekomödien, deren Dauerwirkung in ihrer unschlagbaren Situationskomik liegt, wurde in 28 Sprachen übersetzt und in 70 Ländern gespielt. Kurz nach dem 1. Weltkrieg wurde in London ein Club gegründet, dem nur Schauspieler angehören durften, die schon eine Rolle in Charleys Tante gespielt hatten. Der Club hatte 1000 Mitglieder.
Viermal wurde der Schwank in Deutschland verfilmt: Peter Alexander (1963) hatte zwei prominente Vorgänger mit Paul Kemp (1934) und Heinz Rühmann (1955) und einen Nachfolger mit Thomas Heinze unter der Regie von Sönke Wortmann (1996).
Theater der Altstadt Stuttgart
Neubearbeitung der Komödie von Brandon Thomas mit Musik
CHARLEYS TANTE
Regie und Bühne: Uwe Hoppe
WA-Premiere und Uraufführung: 13. Januar 2012
siehe dazu aktuelle Termine: www.theater-der-altstadt.de
Vor der Premiere...
Es mag scheinen, dass es ein Leichtes sei, aus „Charleys Tante“ ein vergnügliches Spektakel zu machen. Aber es ist unglaublich schwer eine leichte Komödie zu erarbeiten. Ein Höchstmaß an Disziplin und Präzision sind erforderlich, den Mechanismus einer Verwechslungskomödie zu bedienen. Die klassische Komödie aus dem viktorianischen England des ausgehenden 19. Jahrhundert, funktioniert nur dann, wenn man einige Prämissen unangetastet läßt: die Handlung muss in einer Gesellschaftsschicht spielen, in der Ehen vor allem aus Geldgründen geschlossen werden und in der eine gewisse verlogene Prüderie die Norm des Zusammenlebens ist. Aus diesem Grund würde man den Kern der Handlung verletzen und ad absurdum führen, wenn man das Ambiente zu sehr modernisieren und in eine vermeintliche Jetztzeit übertragen würde. Die von mir neu übersetzte und bearbeitete Fassung von Charleys Tante ist daher in die 50ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts und von Großbritannien in eine kleine deutsche Universitätsstadt verlegt worden. Und, - und das ist vielleicht der entscheidende Eingriff -, das Stück ist erweitert um viele gesungene Schlager. Es sind dies weniger Schlager der 50ger Jahre, als vielmehr Schlager, die den gemeinten Menschen des Stückes als Klassiker des Genres bekannt gewesen sein müssen; also die großen Filmschlager der 30ger und 40ger Jahre. Nein, es ist kein Musical im herkömmlichen Sinn dabei heraus gekommen, auch keine Operette. Aber es ist der Versuch, die Gattung des heiteren Schauspiels mit Musik wieder zu beleben und neu zu entdecken. Gerade das Kino hat sich in seinen frühen Jahren ja dieses Genres bedient. Wann singen Menschen? Wenn es ihnen besonders gut oder besonders schlecht geht, oder wenn die Übermacht der Gefühle einem die Sprache verschlägt. Wenn die These stimmt, die David Precht in seinem wunderbaren Buch über die „Liebe, ein unordentliches Gefühl“ aufstellt, - und ich neige dazu ihm zu glauben -, dass ein jeder moderne Mensch versucht seine Beziehung einem Film nachzugestalten, ist es nur konsequent, Mittel des Films in Beziehungskomödien einfließen zu lassen. Die Dramaturgie der klassischen Komödie bleibt dabei unangetastet. Und, Figuren auf der Bühne Schlager singen zu lassen ist natürlich ein Geschenk an die Schauspieler und an die Zuschauer. Es macht einfach einen Höllenspaß, sich musikalisch artikulieren zu dürfen, zu tanzen, mit Altbekanntem, Liebgewordenem in Gefühlen schwelgen zu dürfen und singend zu lachen und zu schweben. Wir freuen uns auf Charleys Tante aus Argentinien, wo die Affen wohnen. (Uwe Hoppe)

Pressestimmen
“Ambrogio Vinella spielt Charleys Tante, also jene Rühmann-Guiness-Paraderolle. Er ist ganz schwarz gewandet [...], trägt ein Kleid und eine Mantilla, schwarze Strümpfe und Pumps - eine heftig rudernde Fregatte, eine männlich röhrende Dröhnerin. Zu sehen ist ein Spiel mit Geschlechterklischees, und Ambrogio Vinella wirft sich da richtig hinein. Das Publikum dankt es ihm zum Abschluss mit langem, heftigem Applaus.
Und sonst? Es gibt eine zarte Liebesgeschichte zwischen Hans’ Vater, dem Herzog von Reuß (herrlich korrekt: Reinhold Weiser), und der wahren Argentinien-Tante (Susanne Heydenreich). Dirk Helbig spielt schön schräg und körpersprachlich gekonnt den erzreaktionären Diener Müller: Er ist ein Zuschauer, der selbst mitspielt. Nett die Songs (musikalische Leitung: Alexander Reuter), vor allem jener wunderbar fetzige Ohrwurm: “Unter den Pinien von Argentinien/ Habe ich mich so in dich verliebt.”
Was also ist nun mit “Charleys Tante”? Es ist eine sehr gut funktionierende, richtig spannende Komödie. Das zeigt Uwe Hoppes Inszenierung. Und jede Inszenierung von “Charleys Tante” steht und fällt mit dem Hauptdarsteller. Im Theater der Altstadt steht sie mit Ambrogio Vinella.”
(Stuttgarter Zeitung, 5. November 2010)
“Das Stück steht oder fällt vor allem mit der Travestienummer des Grafen von Babenberg. Und da hat das Theater der Altstadt mit Ambrogio Vinella einen Glücksgriff getan. Er spielt diese begehrte Milliardärin Dolores grundsätzlich weder schwuchtelig noch tuntig, sondern vor allem mal sehr feminin.
Das lässt sich nicht immer nicht durchhalten, denn in Hoppes Inszenierung geht es zuweilen sehr deftig und rempelig zu, dass es zuweilen erstaunt, dass der Kunstbusen seine Position halten kann. Aber Vinella selbst ist auch nicht gerade eine zerbrechliche Person und macht gerne mit bei den robusten Aktionen. Er hat auch tolle Gegenparts. Zunächst Reinhold Weiser als Vater von Hans, der mit einem tollen Freddy-Quinn-Bariton brilliert. [...]
Und da ist später Susanne Heydenreich als die wahre Dolores. Ganz entspannt geht sie in diese Mimikry hinein, sorgt auch für einige wohltuende ruhige Momente in dieser turbulenten Komödie, die in Hoppes Inszenierung keine Durchhänger kennt.”
(Stuttgarter Nachrichten, 5. November 2010)
“Die mehrfach verfilmte Farce von Brandon Thomas, die 1892 uraufgeführt wurde, ist ein Klassiker der Komödie. Auch von der unter der Regie von Uwe Hoppe im Theater der Altstadt entstandenen Fassung war das Premierenpublikum sehr angetan und amüsiert. [...]
Tante gut, alles gut. Nicht umsonst haben Heinz Rühmann oder Peter Alexander im Film und fast alle Bühnengrößen von Gustaf Gründgens bis Sir Alec Guiness, von Rex Harrison über Theo Lingen bis zu Emil Jannings diese Rolle gespielt. Hier ist es ein kräftiger Mann namens Ambrogio Vinella aus der Truppe von Intendantin Susanne Heydenreich. Und gerade der Widerspruch zwischen Gestalt und Figur gerät hier zu einer besonderen Komik. Oft schrill spielt Vinella hemmungslos die Möglichkeiten dieser Paraderolle durch, auf seine ganze eigene Weise. Das wird zum Glücksfall für diesen Abend. [...]
Außer der Titelfigur macht vor allem Reinhold Weiser in seiner souveränen Spielweise des Vaters von Hans, dem Herzog von Schleiz, Eindruck und Vergnügen. Und wenn er knödelt: “In der Heide blüht die letzte Rose” ist das eine der besten Szenen.”
(Ludwigsburger Kreiszeitung, 5. November 2010)
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