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Fragestunde – 25 Fragen im Nordbayerischen Kurier – Bayreuth, Sommer 2004

1. Wie beginnt für Sie ein guter Tag?
Mit einer Bach Kantate und dem Wissen, bis zum ersten Termin ist genug Zeit, zwei Stunden in Ruhe und ohne Telefonate am eigenen Schreibtisch arbeiten zu können

2. Sind Sie eitel?
Ich fürchte, nein! Ich bin gern sauber und versuche, meine Umwelt durch mein Äußeres nicht gerade zu beleidigen. Aber da ich aus beruflichen Gründen am Abend immer in eine Form gebracht werde, bin ich im Alltag eher gern schlampig.

3. Was bringt Sie auf die Palme?
Unpünktlichkeit! Das Leben ist zu kurz, um es mit Warten auf andere vergeuden zu müssen.

4. Was nervt Sie bei sich selbst?
Dass ich Unpünktlichkeit und Undisziplin bei anderen nicht ertragen kann.

5. Ihr Hausmittel gegen Frust?
Eine Bach Kantate, einige Seiten Shakespeare lesen, ein Spaziergang, ein gutes Glas Whisky und ein Stück Schokolade, und wenn das alles nicht hilft, beginne ich, ein neues Stück zu schreiben.

6. Was ist Ihr wahrer Luxus?
Morgens eine Bach Kantate zu hören und bis Mittags am Schreibtisch sitzen zu können, dann mit Freunden Essen gehen, nachmittags eine Stunde schlafen und am Abend ein Konzert geben zu dürfen.

7. Wie sportlich gehen Sie durchs Leben?
Oh, oh, oh, oh! Ist Sport nicht Mord? Ich fahre gern Fahrrad, wandere gern und würde gern mehr schwimmen im Meer. Aber wann habe ich denn dazu Zeit?

8. Schwimmen Sie gerne gegen den Strom?
Ja! Nur beim gegen den Strom schwimmen, spüre ich die Gewalt des Wassers und begreife, dass ich kein Fisch bin sondern an Land gehöre und meinen Weg gehen muss.

9. Ihr schmerzlichster Sieg?
Jeder Abschluss einer Arbeit ist ein schmerzlicher Sieg. Immer bereitet der Weg zu Wahrhaftigkeit Schmerzen. Und wenn ich es trotz aller Widrigkeiten geschafft habe, meine Arbeit zu beenden und sagen kann, ich habe nirgends gelogen oder geschummelt und wenn das Ergebnis meiner Arbeit, den Vorstellungen entspricht, mit der ich sie begonnen habe, ist das ein Sieg, der immer viele Tränen und große Schmerzen gekostet hat. Wenn ich am Ende eines dreistündigen Konzertes noch die Standing Ovations aushalten muss, während mir die Füße und Beine in den Stöckelschuhen bis unter die Achsel stechen und ich es vor Schmerzen nicht mehr aushalte, noch mal raus gehen zu müssen vor den Vorhang und ich dann immer noch lächle, dann ist das jeden Abend der schmerzlichste Sieg.

10. Ihre schönste Niederlage?
Niederlagen sind nicht schön. Nie! Man kann aus ihnen unendlich viel lernen: also ist jede Niederlage wichtig und unverzichtbar. Aber wenn man erst eine Niederlage erleiden muss, um etwas zu begreifen, ist das nicht schön sondern notwendig.

11. Ihre liebste Sünde?
Sünde? Was ist das? Wenn etwas Sünde für mich wäre, würde ich es nicht lieben. Aber alles was ich mache, mache ich doch gern. Manchmal bereue ich es hinterher.

12. Passen Männer und Frauen wirklich zusammen?
Nein! Wirklich nicht! Sie passen vielleicht ineinander, aber nicht zusammen.

13. Wo steckt das Kindliche in Ihnen?
In meinem Mut zu Blödsinn.

14. Wofür sind Sie wirklich dankbar?
Eine Familie zu haben, die mir immer das Gefühl gibt, geliebt zu sein. Und Freunde! Freunde, das ist die Familie, die man sich selbst ausgesucht hat. Ich hätte mir auch aus meiner Familie jeden selbst ausgesucht.

15. Welchen Traum haben Sie nie verwirklicht?
Ein großes Schloss zu besitzen, in dem es so viele Zimmer gibt, dass alle mir wichtigen Menschen, bei mir zu Gast sein können, so lange sie wollen.

16. Was ist für Sie Erfolg?
Erfolg ist für mich, dass mir gesetzte Ziel erreicht und die mir selbst gestellte Aufgabe gelöst zu haben.

17. Wer ist für Sie ein Held?
Ich! Ich kämpfe täglich wie Don Quijote gegen Windmühlen und Schafsherden. Ich verzweifele täglich an der Dummheit und Borniertheit der Menschen und mich herum und doch stehe ich jeden Morgen neu auf und stürze mich wieder in den verzweifelten Kampf, bei meiner Arbeit, meine Ideale nicht zu verraten, bloß um Erfolg, Anerkennung und mehr Geld zu haben.

8. Was bedeutet Ihnen Geld?
Nichts! Wenn ich etwas davon habe, gebe ich es mit vollen Händen aus. Ich hätte gern mehr davon. Aber bedeuten tut es mir nichts.

19. Welches Buch und welche Musik würden Sie jedem ans Herz legen?
Eine Shakespeare Gesamtausgabe und die Matthäuspassion von Bach natürlich.

20. Das wichtigste Ereignis Ihres Lebens?
Das wichtigste Ereignis meines Lebens, ist immer gerade der Moment in dem ich bin. Mein Leben ist eine unendliche Kette von wichtigsten Ereignisse. Jede Arbeit, die ich mache, ist in dem Augenblick in dem ich sie mache, das wichtigste Ereignis in meinem Leben. Es gibt keine unwichtigen Ereignisse in meinem Leben. Selbst Zähneputzen ist ein wichtigstes Ereignis in meinem Leben.

21. Die Gretchenfrage: Wie halten Sie es mit der Religion?
Mein bester Freund ist Pfarrer, mein geistiger Vater ist Pfarrer. Aber ich habe meinen Glauben verloren, ganz allmählich wie eine Krankheit weicht. Eines Tages wacht man auf und sie ist weg, ohne dass man es bemerkt hätte. Eine Sehnsucht ist in mir nach Geborgenheit, nach Aufgehobensein in einer Gemeinschaft. Oft sitze ich im Gottesdienst und wünsche mir, dass mich doch die Glaubensgewissheit, die mich als Kind und Jugendlicher so stark geprägt hat, wieder zurück erlangen könnte. Ich beneide die anderen Gemeindemitglieder, die so fest aufgehoben sind ihrem Glauben und zweifele zugleich, dass es für mich einen Weg zurück geben könnte in die Seligkeit der Kindertage.

22. Was kommt nach dem Tod?
Das Leben geht weiter, als wäre nichts gewesen-

23. Wie alt möchten Sie werden?
Ich glaube mir sind 92 Jahre zugemessen. Die besten Jahre haben gerade begonnen, – aber das denke ich schon seit 42 Jahren. Aber die endscheidende Frage wäre nicht, wie alt möchten sie werden, sondern wie möchten sie alt werden? Fröhlich und gesund und mit viel Arbeit bis zum Schluss!

24. Was fehlt Ihnen zum Glück?
Mehr Mut zum Blödsinn! Und mehr Leichtigkeit.

25. Ihre Lebensphilosophie in einem Satz?
Mehr Mut zum Blödsinn!