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Kritik: "Ein Sommernachtstraum
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Dass man sich "freggert lachen könnt" – "Ein Sommernachtstraum": Buschklopfer präsen-tieren fränkische
Version des berühmten Shakespeare-Stücks
Der Titel verspricht ein harmonisches, romantisches Stück – doch
bei den Buschklopfern ist dem nicht so, wenn sie "Ein Sommernachtstraum"
spielen. Man zofft sich und verprügelt sich. Obszön geht es
zu, nicht immer jugendfrei. Und es wird so derb gefränkelt, dass
man sich "freggert lachen könnt". Die Kulmbacher Theatertruppe
präsentiert das berühmte Shakespeare-Stück auf der Plassenburg
in Form eines Wandeltheaters und in solch grandioser Weise, dass man es
gesehen haben muss.
Für einen Nicht-Franken ist Fränkisch nicht leicht zu verstehen,
und William Shakespeare hätte bei dem Kauderwelsch den Kopf geschüttelt.
Doch Buschklopfer-Regisseur Uwe Hoppe scheut sich nicht davor, wohlgeformte
Reime des Dichters ins Fränkische zu transformieren. So dürfen
die Handwerker Squenz (Eberhard Einwag), Zettel (Frank Walther), Flaut
(Matthias Fleischer), Schnock (Phillip Kühne), Schnauz (Frank Schott)
und Schlucker (Heinz Petri) in der Komödie "Ein Sommernachtstraum",
eines der meistgespielten Stücke des Engländers, so rumlabern,
dass man Tränen lacht.
Shakespeare verwebt verschiedene Welten: das entfernt liegende Athen,
das ländliche England und das Reich der Feen. Dabei kommen ein Hofgesellschaft,
märchenhafte Feen und ein derb-realistisches Handwerkerspiel auf
der Bühne zusammen. So stellen sich nicht nur die Zuschauer, sondern
auch die einzelnen Figuren oft die Frage: Traum oder Wirklichkeit?
Die Handlung ist deswegen sehr komplex und kompliziert. Kurz gesagt, es
geht um Hermia (Barbara Dörfler), Helena (Charis Hager), Lysander
(Uli Willenberg) und Demetrius (Dominik Kern), die Dank des Kobolds Puck
(Georg Mädl), des Elfenkönig Oberon (Johannes Asen) und der
Elfenkönigin Titania (Cosima Asen) am Schluss den beziehungsweise
die Richtige(n) lieben. Damit verbunden sind Täuschungen, Verwirrungen
und Intrigen. Natürlich endet die Geschichte mit einem Happy-End
und einem "schröcklichen" Spiel der Handwerker.
Bei den Buschklopfern geht es aber noch um mehr: Die Feen (Andrea Sack,
Inge Müller, Katharina Hanß und Marietta Weller) sind nicht
zuckersüß, wie man sie kennt, sondern sie spielen temperamentvoll
mit ihren Reizen, keifen und lästern, wie se besser nicht geht. Hermia,
Helena, Lysander und Demetrius bieten während ihres Liebesdurcheinanders
Prügeleien vom Feinsten: Wie Furien und mit erstaunlicher Ausdauer
wird gehauen, gezerrt und gekniffen. Der mutwillige Puck hat auch so seinen
eigenen Kopf, sein Fauchen erinnert an Gollom aus "Herr der Ringe".
Extra Applaus bekam Georg Mädl für seine Rolle, die er unfallbedingt
auf Krücken spielen musste.
Neben den traumhaften und sehr einfallsreichen Kostümen, wunderbaren
Posaunenklängen und bemerkenswertem Gesang eines indischen Knaben
(Selmar Smiciklas) bietet der Ortswechsel nach jeder Szene seinen besonderen
Reiz. Nicht nur, dass die Bewegung gegen die Kälte hilft, sondern
das Stück scheint nach zwei Stunden auch wie im Flug vorbei zu sein.
Reibungslos klappt das Umherwandern, eine kleine Pause inbegriffen, dank
hervorragender Organisation und engagierter Helfer.
Rundherum perfekt, wird die Kulisse durch ein phantastisches Licht an
den einzelnen Spielorten – unter anderem das Christiansportal, der Burggraben
und der Festsaal. Eine wunderbare Poetik schafft das Wiederhallen der
hohen Burgmauern.
von Anna Punke
Bayerische Rundschau – Kulmbach 2004
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