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Pressestimmen zu "Gaslicht"

Echte Krimispannung und starke Emotionen
Zum Mitfiebern: Patrick Hamiltons „ Gaslicht“ im Theater der Altstadt

Stuttgart – Bestes englisches Krimi-Theater bietet Patrick Hamiltons „Gaslicht“ im Theater der Altstadt. Der spannende Thriller aus dem Jahr 1939 wirkt in Uwe Hoppes Inszenierung durchaus modern, ohne seinen Flair zu verlieren.

Ein dandyhafter junger Mann und seine hübsche Frau – aber wie redet er mit ihr? Herrisch, erniedrigend, befehlend, eiskalt. Sie habe das Bild von der Wand gehängt, eine Rechnung verschlampt, Schmuckstücke verlegt. Wahrscheinlich werde sie enden wie ihre Mutter: in der Irrenanstalt. Die Frau glaubt sich schließlich wirklich dem Wahnsinn nahe.

So tritt der Zuschauer in das Stück ein, das die Kälte und Ungemütlichkeit im nahezu weißen Bühnenbild von Liesl Sabrina Raff noch unterstreicht. Lou Bartalan als Ehemann Jack und Antje Weiser als Gattin Bella spielen die beiden voller Emotionen: Hier die verbissene Kühle des Gatten, dort die verzweifelte Angst der sogar vor den Dienstboten gedemütigten Gattin.

Der Herr geht aus dem Haus, ein Besucher lässt sich anmelden. Das ist William Rough, ein Detektiv von Scotland Yard. Seine Ausführungen öffnen der braven Frau die Augen. Ein ungeheurer Verdacht kommt im Schein der Gaslichter auf.

Eine typisch englische Kriminalstory nimmt ihren Lauf und in seltener Intensität kann der Besucher der Entwicklung folgen, sich identifizieren, die Spannung zeitweise fast körperlich spüren. Vor allem deshalb, weil die Darsteller ihr Engagement durchhalten können, aber auch, weil Hoppe ungemein dicht an der Sache bleibt. Keine Szene, kein Wort ist überflüssig, wenn sich die Geschichte zu ihrem Höhepunkt katapultiert und letztendlich der Bösewicht abgeführt wird.

Eine Spiel auf zwei Ebenen präsentiert sich hier auf der Bühne. Zum einen die Spannung des Kriminalstückes, zum anderen die ungebremsten Emotionen, mit denen die Darsteller agieren. Bis hin zu den Hausangestellten (Isolde Freitag und Sarah Gros) sind alle als plastische Figuren im leicht abstrahierten Bühnenambiente zu erleben und zu erfühlen.

Ludwigsburger Kreiszeitung – 27. Januar 2006
von Arnim Bauer

Ein fesselnder Abend: Theater der Altstadt zeigt „Gaslicht“
Psychogramm einer Hörigkeit

Was in aller Welt treibt diesen Jack Manningham dazu, seine Frau selbst vor den Hausangestellten zu demütigen und ihr ständig beweisen zu wollen, sie habe den Verstand verloren? Und welch dunkles Geheimnis birgt das Haus der beiden, in dem seltsame Geräusche zu hören sind, Gegenstände verschwinden und zu bestimmten Zeiten das Licht der Gaslampen flackert?

„Gaslicht“ nannte der englische Autor Patrick Hamilton seinen 1939 uraufgeführten Bühnenkrimi. Bekannt geworden ist er vor allem als Film unter dem Titel „Das Haus der Lady Alquist“ mit Ingrid Bergmann. Doch selbst wenn den Zuschauern der Plot des Thrillers bekannt ist, erleben sie im Theater der Altstadt einen von der ersten Minute fesselnden Abend. Vor allem weil Regisseur Uwe Hoppe den Text dazu nutzt, das psychologisch genau gezeichnete Psychogramm einer masochistischen Hörigkeit zu entwickeln.

Dabei überzeugt insbesondere Antje Weiser als psychisch geschundene Ehefrau im Korsett viktorianisch-eleganter Enge (Kostüme: Andrea Düring). Je mehr er sie erniedrigt, desto mehr verzehrt sich diese Bella Manningham nach der Liebe ihres Mannes. Wie ein ertrinkendes Kind hängt sie Halt suchend an seinem Hals, hält ihn fest wie einen kostbaren Besitz. Und macht sich mit ihren Klammergriffen zum willenlosen Werkzeug Jacks. Den zeigt Lou Bertalan als geschniegelten Fiesling mit etwas zu gleichförmiger Eiseskälte in der Stimme. Systematisch lässt er seine Frau als flügellahmen Vogel in einer sterilen weißen Welt des suggerierten Wahnsinns mit trapezförmigen Türen herumirren (stimmige Bühne von Liesl Sabrina Raff). Bis eines Tages der forsche Mr. Rough (Moritz Brendel) auftaucht und Licht in die Düsternis des unheimlichen Hauses bringt.

Stuttgarter Zeitung – 27. Januar 2006
Horst Lohr