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Kritik: Faust I und II 2011 |
Pressestimmen zu "Der Tod eines Handlungsreisenden "
Starke
Inszenierung eines gar nicht alt gewordenen Stücks Hoppe hat mit seinem durchweg ausgezeichneten Ensemble ganze Arbeit geleistet.
Die Bühne (Michael Bachmann) ist absolut gelungen. Die Protagonisten
werden im Hochregal zwischen Kisten bei Nichtgebrauch lieblos eingelagert,
wie man das mit Produktionsmitteln gemeinhin so macht. Auch der Schluss
überzeugt, wenn der suizidale Autounfall Willys zu einem Umsturz
eines der Regale mutiert und er unter den Kisten begraben ist. Ludwigsburger Kreiszeitung – 27. Oktober 2008
Zerfall
des Bewusstseins Stuttgart – „Wir sind frei! Endlich frei!“ sind die letzten Worte Lindas beim Begräbnis ihres Mannes Willy Loman. Nun ist, nach über 30 Jahren, die letzte Rate der Hypothek auf das Haus abbezahlt, und ein freieres Leben mit weniger Sorgen könnte beginnen. Doch auch das ist Illusion: Der Mann hat, psychisch zerstört, verzweifelt, ausgebrannt, seinen Vertreterjob verloren und in der trügerischen Hoffnung, die Lebensversicherung würde die 20 000-Dollar-Prämie an die Familie auszahlen, sich umgebracht. Hätte Arthur Miller sein Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ heute, in Zeiten der Finanzkrise, geschrieben, es könnte kaum düsterer enden, obwohl die Lomans ihr Haus vielleicht schon viel früher verloren hätten. Denn Millers Erfolgsstück, vor 60 Jahren verfasst und nach wie vor aktuell, ist eine schonungslose Abrechnung mit dem falsch verstandenen „American Dream“: dem Traum einer auf Schein und Pump gegründeten materiellen Existenz. Lager der Erinnerungen Uwe Hoppes Inszenierung im Stuttgarter Theater der Altstadt ist eine der stärksten Aufführungen, die der Bayreuther Regisseur hier herausgebracht hat. Schon die Bühne Michael Bachmanns transformiert die Anweisungen des Autors, der in diesem Stück mit vielen Rückblenden der Hauptfigur arbeitet, auf intelligente Weise. Zwischen den Regalen eines Lagerraums, in dessen unzähligen Kartons nicht nur die Musterkollektionen des Vertreters Loman, sondern auch seine Erinnerungen verstauben, wechseln die Akteure von einer Zeitebene auf die andere, je nach Gemütslage der Hauptfigur. Alle hausen in diesem zerfallenden Bewusstseinsraum, nisten stumm in den Regalen, wenn sie nicht gerade agieren. Das elfköpfige Schauspielensemble spielt dabei durchweg am oberen Level seiner darstellerischen Möglichkeiten. Joerg Adae als Willy tritt zuerst wie ein seriöser Geschäftsmann auf, der jedoch bald in abrupten Stimmungswechseln seelisch auseinanderbricht. Überzeugend stellt Adae die schwankenden Gefühlszustände dar. Susanne Heydenreich als Willys über-fürsorgliche Gattin Linda ist zugleich Muttertier und Seele der Familie. Sie reibt sich auf und explodiert doch kurz vor Schluss in einem grandios leidenschaftlichen Moment, als Willy am Ende ist und die Söhne ihn im Stich gelassen haben. Lou Bertalan verkörpert als Happy die falschen Ideale seines Vaters: „sehr beliebt“ zu sein, mit gutem Aussehen und flotten Sprüchen Erfolg zu haben und die trübe Wirklichkeit zu verdrängen. Aber auch die latente Haltlosigkeit, die der andere Sohn Biff hinter einer trotzigen Fassade verbirgt, spielt er mit. Hermann Bassé gräbt sich fast zu heftig in diese Figur ein, manchmal wünschte man, er würde Biffs verstörte Selbstsuche mit weniger Pathos anschaulich machen. Doch seine Zertrümmerung des eingeprägten Vaterbilds ist packend: „Wir sind nur Dutzendware!“ schleudert er Willy entgegen, der zeit seines Lebens nur den materiellen amerikanischen Traum geträumt hat. Vorbildlich steht dafür sein Bruder Ben (Reinhold Weiser), der mit 17 Jahren aufbrach, mit 21 aus dem Dschungel zurückkam – „und verdammt, ich war reich!“ Gut getroffen sind auch Willys Nachbar Charly (Thomas Garatwa) und sein Sohn Bernard (Wolfgang Klinke), die mit fleißiger Arbeit den sozialen Aufstieg geschafft haben. Vom Materialismus determiniert Ambrogio Vinella als Willys Boss Howard Wagner zeigt dagegen die Inhumanität des Ausbeuter-Kapitalismus: Dem Handlungsreisenden wird gekündigt, wenn er, „ausgepresst wie eine Zitrone“, nicht mehr funktionstüchtig ist. Ohne falsche Aktualisierung gelingt Uwe Hoppe mit seiner Inszenierung ein spannendes Psychodrama um den Ruin einer vom Materialismus determinierten Existenz. Esslinger Zeitung – 29. Oktober 2008 |
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