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Kritik: Faust I 1999

Pressestimmen zu "FAUST – Der Tragödie erster und zweiter Teil"

„Behutsam holt Uwe Hoppe im Theater der Altstadt Goethes „Faust I“ und „Faust II“ in die Gegenwart. Das hat Stuttgart seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr erlebt: Ein Theater spielt nicht nur „Faust I“, sondern wagt sich gleichzeitig an den nur schwer spielbaren zweiten Teil der Tragödie. […] Ergebnis dieses theatralen Kraftakts von lediglich neun fast durchgehend überzeugenden Darstellern in zahllosen Mehrfachrollen: zwei stimmige Aufführungen, die sich nahezu fugenlos zum Ganzen verzahnen. Sehenswert allein schon, wie der Ideenreichtum von Regisseur Uwe Hoppe, Bühnenbildner Michael Bachmann, Claudia Flasche (Kostüme) und Max Müllers geheimnisvoll sinfonische Bühnenmusik dem Mangel an technischen Möglichkeiten trotzen. [...]“

(Stuttgarter Nachrichten, 21. März 2011)

 

„Hoppe gelingt eine überzeugende Mischung aus Ernst und Heiterkeit. Nie wirkt seine Inszenierung hohl, die Spieler sprechen klar und differenziert, nie mit einem überzogenen Hochton. Goethes Verse haben Kraft – und sie werden zum Klingen gebracht. Schön sind die komischen Momente, etwa wenn Marthe Schwerdtlein (Claudia Cuccurullo), ordinär aufgebrezelt, Mephisto herumzukriegen versucht. Aber es sind auch berührende Bilder zu sehen. In der Kerkerszene hängt Margarete wie gekreuzigt in einer Leiter.
„Faust II“ ist ein gewaltiger Theaterbrocken. Hoppe reduziert. Das funktioniert, auch ästhetisch: Die Walpurgisnacht wird auf einfache Weise mit einer raffinierten Beleuchtung verbildlicht, die aus den Buchstabenkombinationen an den Wänden archaische Zeichen macht. Bertalans Faust brilliert jetzt als Homunkulus, als künstlicher Mensch, und profiliert sich später als landgewinnender Unternehmer, der über Leichen geht. Seine Figur verkörpert Lou Bertalan über die ganze Spanne der sechs Stunden hinweg einleuchtend und berührend: als schwankendes Wesen, als skrupulösen Intellektuellen. Zentral aber agiert Reinhold Weiser: Mephisto spielt er mit großer sexuell beängstigender Autorität.
Die Stärke der Inszenierung im Theater der Altstadt liegt in ihrem Verzicht auf Theaterdonner. Hier sprechen Münder und Körper. Sie füllen den Raum. Man schaut und hört zu. Und alles ist da.“

(Stuttgarter Zeitung, 21. März 2011)